En2t+T - Borsig 14806/1939

Im Jahr 1939 lieferte die in Henningsdorf gelegene Lokfabrik Borsig Lokomotiv-Werke GmbH - als Nachfolger der Berliner Borsig Lokomotiv-Werke - unter den Fabriknummern 14805 und 14806 einen 6 m³ Heeresfeldbahn-Schlepptender und eine 210 PS starke fünfach-gekuppelte Halbtenderlokomotive an die Pionier-Versuchsstelle 1 des Oberkommando des Heeres nach Sperenberg. Die in 600 mm Spurweite ausgeführten Fahrzeuge waren als Musterlokomotive zu Testzwecken gedacht und stellte die größte projektierte Heeresfeldbahn-Lokomotive für Spurweiten von 600 und 750 mm dar.

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Werkfoto Borsig 1939

Im Herbst 1939 wurde die Lok vom Waffenprüfamt 5 in Betrieb genommen und bekam die Heerefeldbahnnummer "191" zugeteilt. Von Oktober 1942 bis März 1943 stand die Lok im Heeresfeldbahneinsatz des Eisenbahn-Baubataillons 512 auf der 600 mm Strecke von Tuleblja nach Demjansk in der Sowjetunion. Rund um den Halbkessel von Demjansk wurde aufgrund der mangelhaften Straßenverhältnisse ein rund 80 Kilometer großes Feldbahn-Streckennetz errichtet, dass zu Versorgungszwecken für die geplante Frühjahrsoffensive 1943 dienen sollte. Vermutlich als Schadlok wurde die HF 191 über Baranowitschi nach Rehagen-Klausdorf zurück überführt.

Im Zuge einer Verlagerungsaktion von Heeresfeldbahnmaterial nach Österreich Anfang 1945 kam die Lok nach Mittersill zur Pinzgauer Lokalbahn und wurde dort zum alliierten Beutegut. Noch 1945 wurde die Lok an die Salzkammergut-Lokalbahn verkauft, auf der sie unter der Betriebsnummer "22" bis 1957 im Einsatz stand. Von 1958 bis 1972 wurde die Lok als "ZB 4" als Güterzuglok auf der Zillertalbahn eingesetzt und dort 1968 von britischen Eisenbahnfreunden auf den Namen "Castle Caereinion" getauft. Nach einer Grundüberholung 1973 kam die Lok von April 1974 bis Mai 1980 für die EUROVAPOR als Sonderzuglok auf der Bregenzerwaldbahn zum Einsatz.

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ZB 4 im Jahr 1976 als Leihgabe auf der Bregenzerwaldbahn, Foto: Burkhardt Börries

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ZB 4 im Jahr 1979 auf der Bregenzerwaldbahn, Foto: Markus Strässle

Im Dezember 1980 erwarb W. Seidensticker die Lokomotive und ließ sie zurück zur Zillertalbahn transportieren. Nach einer äußerlichen Aufarbeitung - nun in grün-schwarzer Lackierung - kam die Lok 1981 und 1982 für Sonderfahrten unter dem Namen "Aquarius C" auf der Zillertalbahn zum Einsatz. Von 1982 bis 1986 erfolgte eine Hauptuntersuchung der Lokomotive, die in der Hauptwerkstatt der Teutoburger-Waldeisenbahn (TWE) in Lengerich im März 1986 abgeschlossen werden konnte. Ab April 1986 erfolgte der Einsatz der Lok auf der Jagsttalbahn, der durch einen Kesselschaden und die Stillegung der Strecke 1988 ein aprubtes Ende fand.

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Lok "Aquarius C" am 26.05.1985 auf der Jagsttalbahn, Foto: W.+K. Brutzer

Nachdem sich im Jagstal jede weitere Einsatzperspektive zerschlagen hatte, wurde die Lok 1989 ins Deutsche Technikmuseum nach Berlin überstellt, wo sie bis 1996 als Ausstellungsstück diente.

1997 kehrte die Lok nach einer Aufarbeitung im ehemaligen Raw Görlitz in den aktiven Betriebsdienst zurück und wurde bei der Rügenschen Kleinbahn GmbH stationiert, bei der sie bis zum Ablauf der Kesselfrist 2005 vornehmlich vor Sonderzügen zum Einsatz kam. Die neuerliche Inbetriebnahme erfolgte dann im Dezember 2007.

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"Aquarius C" aufgenommen von Frank Neubauer aufgenommen im Bahnhof von Putbus

Seit Mai 2009 befindet sich die Lok im Eigentum der Pressnitztalbahn GmbH, Jöhstadt. Nach weiteren Einsätzen auf Rügen und einem Gastlokeinsatz bei der Pollo-Museumsbahn ist die Lok seit August 2011 bei der IG Pressnitztalbahn e.V.  beheimatet und kommt von Zeit zu Zeit vor den Museumszügen zwischen Jöhstadt und Steinbach zum Einsatz.

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"Aquarius C" am 10. September 2011 vor dem Wasserhaus in Steinbach, aufgenommen von Jörg Hoffmann

Verkauf nach Österreich im Dezember 2016

Im Dezember 2016 konnte der österreichische Club760 die mit Fristablauf abgestellte Lokomotive für einen Einsatz auf der Taurachbahn erwerben. Hier soll die Lok u.a. von 750 mm auf 760 mm Spurweite umgespurt und mit einer Vakuumbremse ausgestattet werden. An dieser Stelle schon einmal die besten Wünsche für den Einsatz in der neuen alten Heimat und allzeit gute Fahrt!

Quellen:

1. "Unsere vier Dampfloks" von Walter Seidensticker