Schwere 1E1-Lok

Diese schweren 1'E1'-Heißdampflokomotiven stellten die größten und mit 400 PS auch die leitungsstärksten Heeresfeldbahnlokomotiven der 750 mm Spurweite dar. Über die seinerzeit geplanten Einsatzgebiete lässt sich heute nur noch spekulieren. Diese Lokomotiven waren in der Lage 1000 Tonnen schwere Züge in der Ebene mit 17 km/h zu befördern, auf einer Steigung von 1:100 waren es bei derselben Geschwindigkeit immerhin noch 324 Tonnen.

In den Jahren 1941/1942 wurden von diesem Loktyp mit ihrem großen vierachsigem Tender von den Lokfabriken Henschel und Jung insgesamt sechs Lokomotiven gebaut.

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Werkfoto Henschel 26169/1941

Leider ist keine dieser imposanten Lokomotiven bis heute erhalten geblieben. Hier in Kurzform die bekannten Lebensläufe der sechs Loks:
Henschel 26167/1941 Die als HF 40751 bezeichnete Lok lief während des Krieges bei den Jugoslawischen Schmalspurbahnen auf  den bosnischen 760mm Strecken. Nach dem Krieg wurde sie zunächst in Bosanski Brod und später in Drvar eingesetzt. Da es aufgrund ihrer Länge von ca. 16 Metern Probleme mit dem Bogenlauf in den engen Kurven der bosnischen Bahnen gab, wurde sie hauptsächlich als Schiebelok auf der Steige nach Osrika verwand. Nach der Einstellung des Betriebes auf ihrer Einsatzstrecke Sarajevo-Ploce wurde sie 1966 verschrottet.
Henschel 26168/1941 bekam die HF-Nummer 40752 zugeteilt und wurde während des Krieges zusammen mit Henschel 26167 in Jugoslawien eingesetzt. Während eines Bombenangriffs in Bosanski Brod wurde die Lok schwer beschädigt und nach Ende des Krieges angeblich gleich verschrottet. Anderen Quellen zufolge stand die Lok noch mehrere Jahre in Bosanski Brod abgestellt.
Henschel 26169/1941 blieb als HF 40753 bezeichnet in Deutschland. Sie stand nach Kriegsende zusammen mit einigen anderen Heeresfeldbahnlokomotiven abgestellt auf dem Märzfeld in Nürnberg. 1948 kaufte die Kerkerbachbahn die Lok und baute sie zur Tenderlok mit einer Spurweite von 1000 mm um. Dort zog sie, als Nr. 15 bezeichnet, bis zu ihrer Verschrottung 1962 schwere Güterzüge. 
Jung 9575/1942 Verbleib unbekannt.
Jung 9576/1942  fand sich nach Kriegsende ebenfalls auf dem Märzfeld. Im August 1948 wurde die Lok von Beauftragten der Jagsttalbahn, die auf der Suche nach Ersatz für die eigenen veralteten Dampflokomotiven waren, besichtigt. Ein Kauf kam jedoch nicht zu Stande, die Jagsttalbahn erwarb schließlich zwei der ebenfalls auf dem Märzfeld abgestellten Henschel En2-Heeresfeldbahnlokomotiven. Der weitere Verbleib der Lok ist unbekannt.
Jung 9577/1942  kam 1948 zusammen mit der Henschel 26169 zur Kerkerbachbahn. Dort wurde sie, ebenfalls zur 1000 mm Tenderlok umgebaut, als Nr. 16 vor Güterzügen eingesetzt. 1960 erfolgte ihre Verschrottung.

Anfang der 50er standen in Brohl (Brohltalbahn) zwei Loks dieses Bautyps abgestellt, hierbei kann es sich nur um die Jung 9575 und 9576 von 1942 gehandelt haben. Ein Einsatz der Loks auf der meterspurigen Brohltalbahn war aufgrund der Spurweite von 750mm nicht möglich. Warum die Lok zur Brohltalbahn kamen, ist nicht bekannt. 1951 nahm sich die Firma Jung der beiden Lokomotiven an, arbeitete sie wieder auf, spurte sie auf 1000 mm um und lieferte sie unter den neuen Fabriknummern Jung 11560/1951 und Jung 11700/1951 nach Brasilien aus. 

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Werkfoto Jung 1951, Sammlung F. Rauh

Jung 11560/1951 wurde an die brasilianische Zuckerplantage Santa Terezinha in Pernambuco ausgeliefert. Es ist davon auszugehen, dass die Lok auch dort verschrottet wurde.

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Jung 11560 aufgenommen auf der Zuckerplantage Santa Terezinha von John Kirchner
Jung 11700/1951 wurde von der brasilianischen Armee aufgekauft und bis zu ihrer Verschrottung 1972 vom Bau-Batallion in Süd-Brasilien eingesetzt.

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Jung 11700 im Dienst der brasilianischen Armee, Foto: Sammlung Eduardo Coelho